Von Julian Steiner

Die nordhessische Juso-Delegation auf dem Workers-Youth-Festival in Dortmund

Am Donnerstag, den 9. Mai begann das Workers Youth Festival in Dortmund. Unsere Nordhessische Delegation ist nach einer Reise von ca. 160 Kilometern (welche dank des hervorragend ausgebauten Schienennetzes zwischen Kassel und Nordrhein-Westfalen etwa vier Stunden Reisezeit entsprochen hat; was aber wiederrum nur einem Katzensprung gleich kommt im Verhältnis zu den Anreisen der letzten Jahre nach Kroatien oder auch Österreich) von strahlendem Sonnenschein im Dortmunder Fredenbaumpark, auf dessen Gelände das Festival stattgefunden hat, begrüßt worden.

Der erste Eindruck: Junge, gut gelaunte, freundliche und aufgeschlossene Menschen aus aller Welt; überall sind Wortfetzen verschiedener Sprachen zu hören, immer wieder Lieder und Sprechchöre zu vernehmen (vor allem auf Catalan 😉

Das ist auch kein Wunder bei insgesamt 150 Delegationen aus Dutzenden von Ländern. Insgesamt sind gut 3.000 SozialistInnen nach Dortmund gekommen, um sich kennenzulernen, zu diskutieren und auszutauschen, gemeinsam zu feiern und Zeichen zu setzen für Solidarität – eben, um gemeinsam Geschichte zu schreiben. United we make history – solidarity now!

Entsprechend war auch das Festival-Programm aufgebaut: Nach der großen Eröffnungsfeier und einer fulminanten Rede von Sascha Vogt, der uns auf unsere gemeinsamen Ziele eingeschworen und somit eine gute Grundlage für das Gemeinschaftsgefühl gelegt hat (welches sich in den nächsten Tagen noch grandios weiterentwickelt und gesteigert hat), konnte der erste Tag bzw. Abend bei vielfältigem Sport-, Kultur- und Musikprogramm angegangen und ausgelebt werden.

Der nächste Tag startete für einige mit den ersten beiden Workshop- und Diskussionsphasen in den Themengebieten Demokratie und Mitbestimmung sowie Arbeit und Soziales (mehr dazu auf blog.jusos.de). Andere haben lieber ein Stück Industriekultur hautnah erlebt und sind zum Skywalk auf dem Areal von Phoenix West aufgebrochen. Dort wurde auf einer alten, 26 Meter hohen Gasleitung ein stählerner Steg installiert, von dem aus ganz neue Perspektiven auf das 1998 stillgelegte Stahlwerk und den Wandel dessen Umgebung zum Hochtechnologiestandort sowie den Dortmunder Süden gewonnen werden konnten. Wiederum andere haben sich zu einer Besichtigung des Westfalenstadions (Signal Iduna Park) oder einem Brauereibesuch aufgemacht. Abends und nachts konnte erneut zwischen verschiedenen Locations und aus einem bunten Musikprogramm von Punk über Ska und Balkan Beats bis hin zu Hip Hop und Electro und vielem mehr ausgewählt werden – Dance the Revolution!

Samstagvormittags folgte die dritte Workshopphase mit den Themengebieten Ökologie und Umwelt sowie Ausgrenzung und Vielfalt. Anschließend ging´s raus auf die Straße, zum großen Aktionstag in der Dortmunder Innenstadt. Mit einem langen und lauten Demozug haben wir ein Zeichen gesetzt gegen Rechts und für Solidarität. Die Strecke führte vom Fredenbaumpark im Dortmunder Norden bis zum Friedensplatz, auf dem direkt vor dem Rathaus ein große Bühne und allerlei Essens- und Infostände aufgebaut waren. Dort folgten Diskussionen und anschließend Konzerte, u.a. der Orsons, deren Auftritt von vielen begeistert und von einigen anderen sehr skeptisch und mit lautstarker Kritik in Form von Transpis und gestreckten Mittelfingern begleitet wurde. Der Vorwurf: Transphobe und sexistische Texte. Auch in angeregten Diskussionen konnten die Vorwürfe weder abschließend entkräftet noch endgültig bewiesen werden.

Zurück auf dem Festivalgelände folgte die große Abschlussparty und es wurde wieder bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Trotzdem haben Sonntagfrüh viele mit angepackt, wenn es darum ging, gemeinsam aufzuräumen und abzubauen. Und anschließend wurde der große Abschluss gefeiert!

Mein persönliches Fazit: Auch wer nicht so viel von den organisierten Workshops und Diskussionen mitbekommen hat, konnte auch nachts zwischen drei und morgens um acht Uhr noch auf bereitwillige GesprächspartnerInnen stoßen, um über die drängenden Herausforderungen der Weltpolitik zu philosophieren und eine gedankliche Zukunft zu entwerfen, für welche es sich zu kämpfen lohnt!

Insgesamt und für mich persönlich vier (soweit es der Brinkhoffs-Konsum zugelassen hat) unvergessliche Tage mit SozialistInnen aus aller Welt in Dortmund.

In diesem Sinne: linkszus!